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Verein der „Fürstin-Hedwig-Schüler“ löst sich nach 55 Jahren auf

30.09.2014

Am 23. August 1959 gründete sich in Eutin die „Vereinigung Ehemaliger Neustettiner Fürstin-Hedwig-Schüler e.V.“. Zum Ende diesen Jahres , gut 55 Jahre später, wird er sich auflösen. In der Eutiner Voß-Schule fand am Samstag das letzte große Mitgliedertreffen statt. Bürgervorsteher Dieter Holst würdigte im Namen der Stadt Eutin den Verein für seine Verdienste um die Völkerverständigung.

Eine andere Beschreibung als dankbar und verständnisvoll würde der Atmosphäre in der Aula des Gymnasiums wohl nicht gerecht werden. Dies ist durchaus erstaunlich, so ruft das Thema Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg noch heute viel Missgunst und Wut hervor. Umso höher sind die Leistungen des Schülervereins zu bewerten. Im Februar 1945 besetzte die Rote Armee Neustettin in Westpommern. Aus dem Fürstin-Hedwig-Gymnasium wurde das Fürstin-Elisabeth-Lyzeum und Neustettin wurde zum polnischen Szczecinek. Ein Jahr nach der Gründung der Vereinigung, 1960, wurde die Johann-Heinrich-Voß Schule zur Patenschule und bot den heimatlosen Schülern ein neues Zuhause. „In den Anfangsjahren erhielten wir finanzielle und vor allem ideelle Unterstützung, jedes zweite Mitgliedertreffen fand in Eutin statt“, erinnert sich Vorsitzende Gesine Reinstrom dankbar. In den weiteren Jahren wuchs der Verein nach der Wiedervereinigung auf über 700 Mitglieder. Doch diese Zeiten sind vorbei: „Aufgrund der Altersstruktur wird sich unser Verein auflösen, viele von uns können die anstrengenden Reisen zu den Mitgliedertreffen nicht mehr antreten“, begründete Reinstrom die Entscheidung vor den rund 50 Mitgliedern und Gästen.

An diesem Wochenende fand nun die Abschiedsfeierstunde statt, dazu kamen auch aus Polen Grüße. Der verhinderte Direktor des Fürstin-Elisabeth-Lyzeum, Jerzy Kania, bedankte sich für die „herrlichen freundschaftlichen Beziehungen“, hieß die Neustettiner allzeit willkommen und verblieb in brüderlicher Freundschaft. „Wir wurden, wann immer wir kamen, herzlich und mitfühlend empfangen, erinnerte sich auch Dr. Hans-Norbert Strietzel in seiner Festrede. „Jeder von uns trägt seine Heimat im Herzen, als Touristen der Sehnsucht reisten wir nach Pommern.“ Daher sei auch das gegenseitige Verständnis und Mitempfinden so wichtig gewesen. „Unsere Heimat war nun zu ihrer geworden, das mussten wir verstehen.“ Daraus entwuchs eine Beziehung fernab von der Fahne nationalistischer Engstirnigkeit. Es sei eine Gemeinschaft der Humanitas entstanden. Für diese Leistungen sprach Bürgervorsteher Dieter Holst der Vereinigung den Respekt, Dank und die Anerkennung der Stadt Eutin aus. Mit seinen Bemühungen um Verständnis und Aufklärung habe der Verein zur Völkerverständigung beigetragen. Dieses Erbe wird auch nach Auflösung des Vereines weiterbestehen.

Zudem wird in der Eutiner Schule eine Gedenktafel, die große Pommernkarte und in Szczecinek ein Gedenkstein, an die über ein halbes Jahrhundert dauernde Partnerschaft des Vereines und der beiden Schulen erinnern. Auch der Schüleraustausch mit der polnischen Partnerschule soll in Zukunft fortgesetzt werden. Dieser wurde damals von dem Fürstin-Hedwig-Schüler Verein initiiert und finanziell unterstützt. Zum Schluss übereichte die Vorsitzende Reinstrom Schulleiter Herrn Dr. Löding eine CD mit dem Lied „Komitat“. Zu diesem Lied wurden in der Fürstin-Hedwig-Schule traditionell die Abiturienten verabschiedet. Diese Tradition soll bald ein weiteres Bindeglied zwischen den beiden Schulen in zwei ehemals verfeindeten Ländern darstellen.

F. Schädlich

Vielen Dank an http://www.der-reporter.de für die Erlaubnis der Veröfffentlichung.