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Informationsveranstaltung zum Freiwilligendienst für Schüler der Voß-Schule Eutin

17.06.2014

Auf Einladung des Friedenskreis Eutin e.V. erzählten sechs junge Erwachsene Eutinern Voß-Schülern der 12. Klasse am vergangenen Donnerstag von ihren Erfahrungen während eines Freiwilligen Soziale Jahres (FSJ). Sie waren in Tansania, Israel, Estland und Belgien, aber auch die Nordseeküste Schleswig-Holsteins bot viel Spannendes die Freiwilligen.

Massive ökologische Fehlentscheidungen und soziale Spannungen seien heutzutage die größten Probleme für den Frieden, so Dr. Peter Behtke, Vorsitzender des Friedenskreis Eutin. „Wir glauben, dass nur soziale Gerechtigkeit zu Frieden auf der Welt führen kann.“ Darum lud der Friedenskreis Studenten ein, die in einem freiwilligen Jahr Gutes taten. Anderen helfen, viel Neues erleben und die Sprachkenntnisse verbessern, das waren die Ziele der sechs jungen Erwachsenen. Oft ist die Motivation dabei sehr persönlich. So auch bei Nina, die mit einer protestantischen Organisation nach Belgien reiste. Ihr Großvater sei überzeugter Nationalsozialist und Mitglied der SS gewesen, sie hatte das Gefühl etwas gegen ihre Vergangenheit tun zu müssen und wollte ein Zeichen setzen. Mit der Vergangenheit wird sich auch Raja bald in Israel beschäftigen. Sie wird eine besondere Art des freiwilligen Jahres machen, ein Freiwilliges kulturelles Jahr. Im Archiv deutsch-jüdische Geschichte wird sie arbeiten und forschen. Ilka, 23, wollte dagegen in Deutschland bleiben. Aufgewachsen ist sie in der Nähe von Bielefeld. „Ich wollte raus aus dem behüteten Nest“, erzählt sie. Bei der Schutzstation Wattenmeer absolvierte die Studentin ihr FSJ. „Wir mussten plötzlich einen eigenen Haushalt führen und den Garten unseres Hauses pflegen.“ Oft seien sie Vögel zählen gewesen oder hätten Besuchergruppen durchs Watt geführt. „Wir hatten total viel Spaß“, resümiert Ilka.

Gut 7000 Kilometer von Ilka entfernt absolvierte Max Köster seinen Freiwilligendienst. Der Zwanzigjährige studiert mittlerweile Volkswirtschaftslehre in Kiel, doch vor dem Studium war er für ein Jahr in Tansania. Auf einer Fläche zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland leben dort 42 Millionen Menschen, die 250 verschiedene Sprachen sprechen. „Zum Glück spricht trotzdem fast jeder Suaheli, auch deswegen ist Tansania relativ stabil. Weil die Aussprache der im Deutschen sehr ähnelt, war es für mich relativ leicht, die Sprache zu lernen“, so Köster. Mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ und der Deutsch-Tansanische Partnerschaft reiste er in die Kleinstadt Mafinga. Ein Haus auf dem Gelände der evangelischen Berufsschule MLVTC war sein Zuhause. Dort arbeitete er  an einem Projekt für Wind- und Solarenergie mit. „Wir haben Windräder aufgestellt oder repariert und Präsentationen in Dörfern abgehalten.“ Am Anfang sei der Kulturschock schon da gewesen. „Wasser zum Duschen haben wir aus dem kleinen Teich vor der Tür geholt, mit etwas Übung reicht dafür ein halber Liter. Für das Trinkwasser mussten wir zu der fünfzehn Minuten entfernten Wasserpumpe, aber oft mussten wir dort dann drei oder vier Stunden warten. Allerdings waren wir im eher ländlichen Raum, in Tansania gibt es auch Großstädte und lange Strände.“ Erschreckend seien vor allem Erlebnisse wie der „positive Rassismus“ gewesen: „Manchmal sind Leute aus dem Bus einfach so ausgestiegen, um ihren Platz für mich freizumachen“, erzählt der Student. Am Ende richtete er ein Apell an die Schüler: „Man nimmt auf jeden Fall unglaublich viel mit. Wenn ihr die Möglichkeit hat, lohnt es sich garantiert.“ Allerdings sollte man sich von dem Gedanken helfen zu können, verabschieden: „Am meisten hilft man sich selbst, man ist hauptsächlich der Lernende und nicht der Helfer.“ Das schreckte die Eutiner Schüler jedoch nicht ab, auf Nachfrage Dr. Behtkes konnten sich am Ende viele ein freiwilliges Jahr vorstellen. „Damit ist der Sinn dieser Veranstaltung erreicht“, konstatierte Bethke zufrieden.

F. Schädlich

Vielen Dank an http://www.der-reporter.de für die Erlaubnis der Veröfffentlichung.