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Trommeln für den guten Zweck

10.11.2014

Zum zweiten Mal kam der ghanaische Trommler Morphius Eurapson-Quaye letzte Woche an die Eutiner Johann-Heinrich-Voß-Schule. Drei Tage lang brachte er Schülern aller Klassenstufen traditionelle afrikanische Trommelmusik näher und die Aula zum Beben. Die gesammelten Spenden der Schülerinnen und Schüler gehen an die vom Musiker gegründete Ausbildungsstätte „Centre for Talent Expression“. Dort können bedürftige Schüler eine unentgeltliche Ausbildung erhalten.

Auf der Bühne fällt er sofort auf. In bunten Gewändern steht der emeritierte Professor für afrikanische Musik zwischen drei Klassen der Oberstufe und erläutert ihnen in breitem Englisch seine Auffassung von Musik: „Euer Alltag ist Rhythmus. Wenn ihr geht oder sprecht, habt ihr dabei einen Rhythmus.“ Den sollen die Schüler nun finden. Nach einer kurzen theoretischen Abhandlung folgt die Praxis. Auf ihren Schenkeln sollen die Schüler im Takt trommeln. „Baba zuma dede, kuya kuya ku-dede“, diese eingängigen ersten Worte eines afrikanischen Kinderliedes stehen auf dem Flipchart neben dem Ghanaer. Darüber sind einfache Anweisungen, wie zu dem Text getrommelt werden soll. Nach den Trockenübungen nehmen sich die Schüler im Innenkreis eine Trommel, die zum Teil von der Wilhelm-Wisser Schule gestellt worden sind. Gemeinsam mit Morphius trommeln und singen die Schüler. Immer wieder beschwört der Musiker sie dazu, Körperspannung zu halten. Der Kopf und nicht der faule Körper soll „Boss“ sein. Nach einigen Minuten sind dann die nächsten an der Reihe. Mit der Zeit wird das Tempo immer schneller, ein weiteres Lied kommt dazu. Die Schüler haben sichtlich Spaß dabei, nach einiger Zeit schwindet auch die anfängliche Scheu. Der mitreißende Rhythmus hat die jungen Trommler in ihren Bann gezogen. Viel schneller als gedacht sind die beiden Schulstunden dann vorbei, die nächsten Klassen warten schon.

„Letztes Jahr haben wir nach dem Besuch von Morphius sehr positive Rückmeldungen erhalten. Deswegen haben wir beschlossen, das Trommeln dieses Jahr auch auf die Oberstufe auszuweiten“, erzählt Musiklehrerin und Organisatorin Ilona Lehmann. „Drei Tage sind natürlich recht lang, aber das war es uns wert.“ Dahinter steht, neben einer besonderen Art des Musik- und Englischunterrichts, schließlich auch noch ein guter Zweck.

Die Spenden für die Teilnahme am Kurs gehen vollständig nach Ghana. Gemeinsam mit dem Verein „Friends of Africa“, unterstützt der pensionierte Professor dort sein Ausbildungscenter. Neben einer künstlerischen und musikalischen Ausbildung bietet das „Centre for Talent Expression“ auch das  Erlernen handwerklicher Berufe an. In Zukunft soll auch Landwirtschaft dazu kommen. Schulbildung ist in dem westafrikanischen Land nämlich nicht kostenfrei. Deswegen stehen Kindern aus mittellosen Familien meist kaum Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Seit Anfang September ist Morphius in Schulen und Universitäten unterwegs, Ende November wird er mit den Spenden dann nach Winneba in Ghana zurückkehren.

F. Schädlich

Vielen Dank an http://www.der-reporter.de für die Erlaubnis der Veröfffentlichung.