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Faire Modenschau an der Voß-Schule

24.02.2015

Angefangen hat alles mit einer Idee bei der Eutiner Fairtrade Initiative. Von dort aus trug die Schülerin Helke die Überlegung eine Modenschau mit fairen Kleidungsstücken zu veranstalten in die Johann-Heinrich-Voß-Schule. Mit einigen weiteren Schülern gewann sie schließlich die Geographie- und Kunstlehrerin Petra König für die Idee. „Wir wollen zeigen, dass faire Mode nicht langweilig ist, sondern wirklich chic sein kann“, so König. „Und natürlich wollen wir die Jugendlichen auch für das Thema sensibilisieren.“ Dazu fand am Montag für die elften Klassen des Gymnasiums ein Workshop statt, am Donnerstagabend um 19:30 sind dann alle Interessierten in die Aula der Voß-Schule zur Fairen Modenschau eingeladen.

Aus der Stimme von Mathias Ahrberg spricht eine gewisse Verbitterung, wenn er über die großen Modekonzerne redet. Am Montag leitete er den Workshop, der unter dem Motto "Moderne Textilproduktion: Was ziehe ich heute an?" stand. Seit gut acht Jahren beschäftigt der Hamburger sich mit fair und ökologisch korrekt produzierter Kleidung. Begonnen hatte alles Anfang 2006, gemeinsam mit einer Freundin gründete der BWL-Student in Hamburg das Modelabel „Fairliebt“. Dabei stand die Umwelt- und Sozialverträglichkeit im Mittelpunkt. In Kenia ließen die beiden Freunde ihre T-Shirts bei einer kleinen Firma aus Biobaumwolle produzieren. Als eines der ersten Labels in Hamburg mit solch einer Ausrichtung trafen sie den Nerv der Zeit, schnell stellte sich der Erfolg ein. Als es irgendwann zu viel Aufwand wurde, trennten sich die beiden Gründer. Neben seinem neuen Label für umweltverträgliche Fahrradmode arbeitet Ahrberg nun als vielgefragter Dozent. Den Kontakt stellte dann schließlich Katharina Desch vom Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V her: „Meines Wissens nach wird das Thema faire Bekleidung an den Schulen kaum behandelt. Daher waren wir froh, dass wir mit Herrn Ahrberg einen der wenigen ausgemachten Experten gewinnen konnten.“ Dieser verfolgte mit den Schülern exemplarisch den Lebensweg eines T-Shirts. Am Anfang steht die Entscheidung für eine Faser, soll das T-Shirt aus Kunstfaser, zum Beispiel Polyester, bestehen? Oder lieber aus einem Stoff tierischen Ursprungs, wie Seide? Die Entscheidung fällt dann etwas weniger exklusiv aus, wie ein Großteil der heutigen Klamotten soll das T-Shirt aus Baumwolle bestehen. „Das ist eigentlich Schwachsinn“, findet Ahrberg, „es gibt heutzutage viel bessere Fasern. Baumwolle ist sehr pflegebedürftig, braucht viel Wasser und bei der Produktion werden massenhaft Pestizide eingesetzt. Der einzige Vorteil von Baumwolle ist der Preis.“ Und der ist auf dem hart umkämpften Textilmarkt sehr wichtig. Die Baumwolle wird nun zu Stoff verarbeitet, der anschließend seine Ausstattung erhält. Dabei durchläuft er verschiedene Bäder teils giftiger Chemikalien und wird gegebenenfalls gefärbt. Auch hier sieht der Dreißigjährige Handlungsbedarf: „Weil es billiger ist, haben die Arbeiter oft keine Schutzausrüstung, die sie vor den ätzenden Dämpfen der Chemikalien schützen kann.“ Weiter geht es zu unterbezahlten Näherinnen in staubbelasteten und brandgefährdeten Fabriken, per Schiff um die halbe Welt und dann in die Läden der Modelabels. Und wer ist jetzt schuld an der schmutzigen Produktion? Ahrberg zufolge Modekonzerne, die immer billiger einkaufen wollen und den Produktionsfirmen in Asien die Preise diktierten. Die großen Margen verblieben in den Konzernen. Doch auch uns trifft eine Mitschuld, schließlich kaufen wir die Kleidung und das nicht zu wenig. „Man sollte sich überlegen, ob man ein Kleidungsstück braucht, bevor man es kauft“, so der Hamburger. Oder man greift eben auf eines der Labels zurück, die „sauber“ produzieren. Doch auch das ist relativ: „Natürlich gibt es keine Musterlösung, aber es ist ein Beitrag und ein Schritt in die richtige Richtung“, gibt der Experte zu.
Wie modisch diese faire und ökologische Kleidung sein kann, werden die Schüler am Donnerstagabend auf ihrer Veranstaltung präsentieren. Der Elftklässler Lennart Seidensticker wird durch den bunten Abend mit Sketchen und Informationen zum Thema führen, Fynn Schmehling begleitet die Modenschau am Klavier. Alle Interessierten sind am kommenden Donnerstag, dem 26. Februar, um 19:30 in die Aula der Voß-Schule eingeladen, der Eintritt ist frei.

F. Schädlich

Vielen Dank an http://www.der-reporter.de für die Erlaubnis der Veröfffentlichung.