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Voß-Schüler unterrichten Migranten

05.03.2015

Eutin ist ein gutes Beispiel dafür, wie problemlos Menschen mit verschiedenen Hintergründen und aus unterschiedlichen Kulturen zusammenleben können. Die Hilfsbereitschaft gegenüber Migranten und Flüchtlingen ist hier außergewöhnlich hoch. Nun gibt es ein weiteres Projekt, um Neuankömmlingen den Weg in die Mitte der Gesellschaft zu ebnen. Allerdings mit einer Besonderheit: Das Projekt wird komplett von Jugendlichen getragen.

Dezember 2014 an der Johann-Heinrich-Voß-Schule, 12. Klasse, Religionsunterricht. Dörte John, Lehrerin für Religion und Deutsch, erzählt von einem Projekt in Preetz, bei dem Schüler in ihrer Freizeit Deutschunterricht anbieten. Für die beiden Schülerinnen Katharina (18) und Manou (17) war schnell klar: Das wollen wir auch bei uns machen! Unterstützt von ihrer Lehrerin nehmen sie Kontakt mit den Preetzern auf, sprechen mit dem Kreis und anderen Helfern. Im Februar geben sie Listen in den Klassen des 9. bis 13. Jahrganges herum, auf denen sich die Schüler eintragen können, wenn sie helfen wollen. Das Ergebnis ist beeindruckend: 70 Schüler erklären sich bereit, am Samstagmorgen in die Schule zu kommen, um Migranten beim Lernen der deutschen Sprache zu helfen. „Mit so viel Zuspruch hätten wir wirklich nicht gerechnet“, freut sich Manou. Seit zwei Wochen läuft das Projekt nun, momentan unterrichten die Schüler sechs Jugendliche und Erwachsene aus Syrien, Guinea und Afghanistan.

Anders als zum Beispiel in Volkshochschulen kann im Einzelunterricht individuell auf die Stärken und Schwächen der Lernwilligen eingegangen werden. „Uns geht es aber nicht nur um den Unterricht, sondern auch um den persönlichen Kontakt. Oft sind beide Seiten etwas unsicher, hoffentlich werden hier auch ein paar Barrieren abgebaut“, so Katharina.

Zumindest bei Saud (44) und Ayad (18) hat das gut funktioniert. Saud kam vor dreieinhalb Jahren aus Syrien nach Deutschland und macht momentan ein Praktikum beim Roten Kreuz, Ayad geht in die zwölfte Klasse. In wenigen Wochen muss Muhammad beim Roten Kreuz einen Deutschtest bestehen und Ayad hilft ihm dabei. Die beiden verbindet nämlich eins: Beide können fließend Arabisch sprechen. „So ganz verstehen tut man manche Wörter nur, wenn einem die Bedeutung in der Muttersprache erklärt wird“, meint Muhammad. Obwohl die beiden sich heute erst kennengelernt haben, verstehen sie sich prächtig. Wegen der vielen Freiwilligen ist Ayad eigentlich nur für diesen Samstag eingeteilt. Aber schnell steht fest: Die beiden sind ein so gutes Team, dass Ayad  so oft wie möglich kommen will.

„Wir sind wirklich froh, dass das Projekt so gut angelaufen ist. Unsere Lehrer und die Schulleitung haben uns aber auch sehr unterstützt“, erzählt Katharina. „Wir hoffen, dass wir das Projekt mit der Zeit an Jüngere weitergeben können und es sich hier fest etabliert.“
Doch vorerst sind noch zahlreiche weitere Plätze frei. Wer Interesse hat, kann sich unter manou.gomlich@web.de mit den Organisatorinnen in Kontakt setzen. Der Unterricht findet auch in den Ferien jeden Samstag von 11 - 12:30 Uhr statt und ist kostenfrei, für Verpflegung ist gesorgt.

F. Schädlich

Vielen Dank an http://www.der-reporter.de für die Erlaubnis der Veröfffentlichung.