„Moin, ich bin der Maik.“ Mit diesen Worten trat Maik Schäffler aus Leipzig am 25.02.26 vor den 8. und 9. Jahrgang der Johann-Heinrich-Voß-Schule. 45 Minuten lang berichtete er spannend und authentisch von seiner Vergangenheit im rechtsradikalen Milieu, aus dem ihm vor ca. 10 Jahren der Ausstieg gelang. Unterstützt durch die Organisation Exit brauchte er dreieinhalb Jahre, um sich vom rechtsradikalen Gedankengut zu befreien. Er warnte die Jahrgänge eindringlich davor, ein „Ausprobieren“ der rechtsradikalen Gedanken als Jugendsünde zu sehen und berichtete von gravierenden Folgen für die Betroffenen. Eindrücklich warnte Herr Schäffler vor Rechtsradikalen, die gerade die sozialen Medien nutzen, um genau die Altersklasse der anwesenden Jahrgänge für ihre rechten Ideen zu gewinnen: „In den sozialen Medien sprechen Nazis eure Sprache. Sie füttern euch mit Bildern und News über Tage, Wochen und Monate.“ Die Folge? Maike Schäffler – ein Leistungskampfsportler – gestand: „Ich hatte Angst.“
Sein Weg ging so weit, dass er irgendwann der stellvertretende Parteichef der NPD und Organisationsleiter der Partei für ganz Deutschland war und zudem Sicherheitskonzepte aufgebaut hat. Außerdem war er Mitglied einer elitären Bruderschaft. Das heißt, er ist ‚nicht nur‘ jemand, der sich theoretisch mit Rechtsextremismus beschäftigt hat, sondern er war ein fundamentaler Teil der rechtsextremen Szene. Er berichtet: „Als Extremist lebt man in einer völlig isolierten Welt. Man kann Menschen dazu bringen, ihre Welt völlig anders wahrzunehmen. Man ist überzeugt davon, die Wahrheit zu kennen. Je mehr man von außen angegriffen/kritisiert wird, umso aggressiver verteidigt man seine Position. Ich musste jeden Tag hassen. Ich war ein Krieger und immer im Kampfmodus.“ Den Jugendlichen rät er, sich ihre Empathie zu bewahren. Dies sei ihr Schutzschild, um sich gegen rechtsradikale Inhalte im Netz zur Wehr zu setzen.
Nach seinem Vortrag hatten die Schülerinnen und Schüler Zeit, um Fragen zu stellen. Hier berichtet Maik Schäffler davon, wie es anderen Aussteigerinnen und Aussteigern ergangen ist, welcher Gefahr er sich mit jedem Auftritt aussetzt, wie auch Angehörige am Rechtsradikalismus ihrer Kinder leiden können und wer gefährdet ist, sich rechtsradikales Gedankengut anzueignen (Spoiler: alle).
Folgende Internetadressen können auch helfen:
Habt ihr weitere Fragen oder möchtet aus dem rechtsradikalen Milieu aussteigen, wisst aber nicht wie? —> https://www.exit-deutschland.de/
Eure Freunde scheinen sich zu radikalisieren? —> https://ak-exit.de
Begegnet euch Hate-Speech im Netz? —> https://www.hasshilft.de ; https://www.recht-gegen-rechts.de
Wisst ihr nicht, welchen Informationen ihr vertrauen könnt? —> https://www.mimikama.org ; https://correctiv.org/faktencheck/
Passt auf euch auf!
Katrin Salten, Kim Swaantje Sacht